Tag 6 und 7 – 21./22.03.2020

Am Wochenende ist kein Schulunterricht, Kapitel fertig, Füße hoch.

Naja, okay, ganz so kurz möchte ich mich dann doch nicht fassen. Letztlich ist es Zeit für ein kleines Fazit. Immerhin habe ich die erste Woche als unfreiwilliger Lehrer hinter mir. Und wie las ich die Woche noch so treffend: „Jetzt ist die Zeit, in der Eltern merken, dass Lehrer doch ein Beruf ist.“ Wie wahr, wie wahr.

Nun habe ich im pädagogischen Bereich studiert und auch mein alter Herr ist pensionierter Lehrer. Deshalb kenne ich die Schwierigkeiten des Jobs und man darf sich getrost fragen, ob 12 Wochen Urlaub und die Halbtagsarbeit den ganzen Stress aufwiegen. Ein guter Freund ist übrigens Lehrer in Bayern und er beschwert sich bei dieser Aussage immer. „Wenn es nur 12 Wochen Urlaub wären, würde ich den Job nicht machen.“

Zurück zu unserem Wochenende und dem Fazit. Dabei fällt mir ein: Ich musste in den ersten Jahren am Gymnasium auch samstags ran. Heute würden Schüler wahrscheinlich Zeter und Mordio schreien, aber für uns war das normal. Alle 14 Tage war am Samstag Unterricht angesagt. Es gab stets zwei Doppelstunden. Was war das eine Freude, für Englisch oder Mathe am Samstag zur Schule zu radeln. Ich als Schüler aus dem Nachbardorf hatte zudem den Komfort, dass das örtliche Nahverkehrsunternehmen einen Wochenendfahrplan nutzte. Es fuhren also deutlich weniger Busse – welche eine Freude ebsonders nach dem Unterricht länger an der Haltestelle stehen zu dürfen. Mir läuft heute noch ein wohliger Schauer über den Rücken, wenn ich daran zurückdenke. Zwischen Schulschluss und Busabfahrt blieben mir damals fünf Minuten. Der Weg zur Haltestelle dauerte drei Minuten. Wenn der Lehrer also zwei Minuten überzog, hatte ich ne halbe Stunde extra gewonnen. Machten wir hingegen pünktlich Schluss, kam der Bus gerne auch mal 20 Minuten zu spät – Sie kennen das.

Immerhin hatten wir ein halbes Jahr lang samstags Sport. In den ersten beiden Stunden durften wir in der ansonsten leeren Dreifachturnhalle uns so richtig austoben. Das war großartig. Vor allem für den Lehrer in Mathe danach. Denn wenn wir zwei Stunden in der Turnhalle Vollgas gegeben hatten und dann auch noch die anschließende Pause für spannende Fußballschlachten auf dem Schulhof nutzten, dann wurde in der folgenden Ruhephase natürlich „abgeschwitzt“. Jeder Sportler kennt diesen völlig normalen Vorgang. Eigentlich wäre es wichtig gewesen noch „auszulaufen“ oder zumindest in der Eistonne zu regenerieren, schöne Grüße an Per Mertesacker. Duschen kannten wir zwar vom Hörensagen, aber die haben wir doch nicht genutzt. Wir waren doch keine Mädchen. Somit liefen wir aus, aber nicht auf zwei Beinen, sondern aus den Schweißdürsen.

Dem Mathe-Lehrer dürfte ein olfaktorisches Feuerwerk der Extraklasse entgegengeschlagen sein. Oder wie es letztens der Trainer einer D-Jugend passend sagte, als er gefragt wurde „Welche Kinder trainierst Du?“: „Ich hab die, die stinken.“ Wahrscheinlich wurde auch deshalb der Samstagsunterricht im folgenden Schuljahr abgeschafft. Horden wütender Lehrer drohten den Düsseldorfer Landtag zu stürmen, wenn sie alle zwei Wochen weiterhin diesem unerträglich stinkenden Giftgas ausgesetzt würden. Hätte es in den 1990er Jahren soziale Medien gegeben, wären die wütenden Proteste ähnlich massiv gewesen, wie heutzutage andere Strömungen, die wöchentlich als Sau durchs digitale Dorf getrieben werden.

Aber ich schweife ab. Samstagmorgen wurde ich durch einen sehr komischen Traum wach. Ich hatte Raumschiffe gesehen, irgendwo zog der Todestern seine Kreise und es blitzten rote und gelbe Laserstrahlen durchs Bild. Im Hintergrund dröhnte ununterbrochen die Musik, die Darth Vader oder einen anderen Bösewicht aus Star Wars ankündigt. „Paa Paa Paa papapaa papapaa…“. Als ich die Augen aufschlug waren die Raumschiffe weg, aber die Musik nicht. Es war 6.00 Uhr. Hatte ich bereits akustische Haluzinationen? Als ich langsam zu mir kam, merkte ich, dass die Musik aus Sohnemanns Zimmer dröhnte. Meine Frau schlief glücklicherweise noch. Ich ging also rüber und fragte in einer Mischung aus Müdigkeit, Überraschung und auch anfänglicher Wut: „Sag mal, was machst Du da?“ – „Ich spiele Star Wars Musik, hörst Du doch.“ In der Tat, laut und deutlich. „Aber heute ist Samstag, da gibt es keinen Unterricht.“ – „Du hast doch gesagt, ich darf auch neben der Schulzeit Musik machen.“ Ja das hatte ich und er durfte das auch. Aber doch nicht am Wochenende morgens um 6. Memo an mich selbst: Ich muss da in meiner Aussage konkreter werden. Zum Glück hat das Keyboard einen Kopfhöreranschluss und ich konnte mich wieder hinlegen.

Aber ich schweife schon wieder ab. Was kann ich zur ersten Schulwoche zu Hause sagen? Wir haben kurz gebraucht, um uns aufeinander einzustellen. Für uns alle war es ungewohnt, nun deutlich mehr zuhause zu sein. Für mich ist das nichts Neues, schließlich arbeite ich ja von hier aus. Aber dass da plötzlich Sohnemann und ab und an auch meine Frau hier die ganze Zeit rumspringen, ist ungewohnt. Also ich liebe beide, wirklich, ganz doll… aber wenn man sich ständig um sich hat, muss man Freiräume suchen.

Dazu kommt dann noch die ungewohnte Rolle des Lehrers. Wir sind glücklicherweise bestens versorgt und unser Erstklässler hat seine Aufgaben. Hier muss die Lehrerin einfach auch mal gelobt werden. Ich muss letztlich nur darauf achten, dass er auch konzentriert daran arbeitet. Das klappt nur über Motivation. Diese Motivation finden wir täglich neu. Kleiner Spoiler am Rande: „Damit Du was lernst“ ist in der Skala ganz unten. Das hat uns als Kinder schließlich auch nicht interessiert. „Weil Du den Papa damit ganz doll ärgern kannst“ klappt dagegen viel besser. Probieren Sie es mal aus.

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