Tag 3 – 18.03.2020

Heute ist Mittwoch und was soll ich sagen: Es geht voran. Da ich heute eine wichtige Videokonferenz habe und dabei auf keinen Fall gestört werden darf, hat sich meine Frau dazu entschieden, heute komplett im Homeoffice zu arbeiten und Sohnemann bei Bedarf zu übernehmen. Als Schulbeauftragter bin ich für heute also raus. „Wenn wir uns da abwechseln, ist das vielleicht auch gar nicht so schlecht“, meinte sie gestern noch, als ich einmal kurz am Nachmittag mit dem Nachwuchs aneinandergeraten war. Bevor wir frühzeitig den Lagerkoller bekommen, ist das sicherlich das Beste, hatte ich mir auch gedacht.

Zudem haben wir jetzt auch das Material aus der Schule. Da ich heute nicht dran bin, kenne ich von den Unterlagen noch nichts. Heute halte ich mich raus und dann ist es auch besser, wenn ich nicht weiß, worum es geht. Bis zur Videokonferenz habe ich also noch etwas Zeit, um andere Dinge zu bearbeiten. Gleichzeitig bin ich mit einem Ohr aber dann doch eine Etage tiefer. Der kleine Mann scheint wenig erbaut von den Aufgaben, die seine Lehrerin uns gegeben hatte. Naja, was sollen wir machen? Das sind höhere Mächte, da können wir jetzt nicht sagen: „Nee Du, lass mal sein.“ Stattdessen höre ich meine Frau: „Das sind die Sachen, die Du jetzt machen musst, also bitte.“ Ich bin mir nicht sicher, aber ich habe das Gefühl, sie ist schon nach kurzer Zeit eine Spur genervt. Ich kann mich aber auch irren.

Als sie kurz darauf zitternd vor Aufregung vor mir steht weiß ich: Du hast Dich nicht geirrt. Aber dass sie ihn beinahe zur Adoption freigegeben hätte, finde ich dann doch übertrieben. Sohnemann diskutiert halt gerne. Und er bringt immer wieder gute Argumente. Wären unsere Diskussionen absolut gleichberechtigt, würden wir wahrscheinlich öfters mal sagen: „OK, hast Recht.“ So aber habe ich mich auch schon sagen hören: „Das ist jetzt so, weil ich der Papa bin und Du das Kind.“ Ja, das ist unfair. Wollen Sie jetzt auch noch mit mir diskutieren oder was? Jetzt ist hier mal Ruhe. Ich kann auch anders. 1… 2… – oh Moment, wo war ich stehengeblieben?

Ich weiß es wieder: die Diskussionen des Filius‘. Er hat es wirklich drauf. Wenn ich ihn fragen würde, ob er gerne diskutiert und verhandelt und er es auf einer Skala von 0 bis 10 bewerten müsste, würde er fragen: „Geht auch 11?“ Naja, immerhin hat er sich letztlich doch auf seine Aufgaben eingelassen und erkannt, dass auch Mama ihm das nicht durchgehen lässt, nichts zu tun.

Natürlich möchte er später dann während meiner Videokonferenz unbedingt zu mir. Da muss wohl was absolut Dringendes sein, was nur mit mir geklärt werden kann. Wahrscheinlich geht es darum, ob er die Felder im Matheheft in dunkel- oder hellblau anmalen soll. Ich verstehe das, das kann Mama nicht klären. Für Farben bin ich hier im Haus zuständig. Aber auch nur dann, wenn ich definitiv gar keine Zeit habe, versteht sich. Wer Kinder hat, dürfte das kennen. Wie die Chefin das letztlich abwehren konnte, habe ich nicht mitbekommen. Aber großen Streit hat es offensichtlich nicht gegeben.

Als wir wenig später beim Mittagessen zusammensitzen, kommt Sohnemann nochmal auf den Vortag zurück: „Du Papa, darf ich eigentlich auch nachmittags Musik machen?“ Da sieht man mal, wie sehr er Hobby und Spaß von Schule trennt. „Wenn Dir das Spaß macht, darfst Du natürlich so viel Musik machen, wie Du möchtest.“ – „Aber dann machen wir ja auch nachmittags Unterricht.“ Ich verstehe sein Problem. Schule ist vormittags. Ich erkläre ihm, dass er es auch als Hobby machen darf. Sport in der Schule macht ihm ja ebenso Spaß, wie zu Hause Fahrrad oder Inliner fahren und das ist ja auch irgendwie Sport.

Glücklich, weiter Musik machen zu dürfen, verschwindet er mit seinem Keyboard im Kinderzimmer. Nur um kurz darauf rauszukommen mit dem Satz: „Ich brauche neue Noten.“ Wenn es weiter nichts ist. Wir sind jetzt dazu übergegangen, dass ich ihm Noten der Lieder, die er spielen möchte, raussuche. Er schreibt sich dann die Buchstaben dran und spielt sie nach. Das könnten sehr musikalische Wochen werden, warten wir es ab.

PS: Meine Frau muss morgen wieder ins Büro. Manche Dinge lassen sich von zu Hause aus dann eben doch nicht bearbeiten. Drückt mir die Daumen…

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